Warum Tragen?

Das Menschenbaby ist ein Tragling.

Die typische angehockte Haltung, die es schon im Mutterleib eingenommen hat, zeigt auch das Neugeborene noch, wenn man es hochhebt. Die Beinchen angewinkelt am Körper, der Rücken gerundet – perfekt, um sich an den Körper einer beschützenden Person anzuschmiegen.

Die „Steinzeitbabys“ konnten nur eng am Körper der Mutter von A nach B transportiert werden, hatten gleichzeitig jederzeit freien Zugang zu ihrer Nahrungsquelle und konnten sich auch nur durch den Körperkontakt ihres Überlebens sicher sein.
Würde doch das Ablegen in der gefährlichen Umgebung den sicheren Tod für ein hilfloses Baby bedeuten!

Zwar brauchen Eltern und Babys heute keine Angst mehr vor Säbelzahntigern und Eiszeiten zu haben, doch unseren Babys stecken ihre Instinkte noch zu sehr in den kleinen Knochen. Sie wissen nicht, dass Mama direkt nebenan sitzt und das Babyphon auf „extra sensibel“ eingestellt hat, oder dass Papa eben erst die Heizung genau richtig temperiert hat und sie wissen auch nicht, dass der „Stamm“ heute nicht mehr weiter ziehen wird, sondern für die nächsten Jahre in der hübschen Wohnung oder dem gemütlichen Häusschen wohnen bleibt.
Daher fordern viele Babys die direkte Nähe zu ihren Eltern auch lautstark ein.
Durch das Tragen nah am Körper fühlt sich das Neugeborene also in erster Linie sicher.

Wusstest du, dass Menschenbabys „physiologische Frühgeburten“ sind? Durch die aufrechte Haltung des Menschen verkleinerte sich das Becken der Frau so, dass das Menschenbaby „früher“ geboren werden musste, damit der Kopf noch durch das Becken passt. Nicht von ungefähr sind unsere Babys im Gegensatz zu anderen Tierarten so hilflos, verfügen dabei jedoch über gute Hand- und Fußreflexe.

Sein Baby zu tragen hat aber noch weitere Vorteile für Eltern und Kinder.
Für eine stillende Mutter bedeutet die stetige Nähe zu ihrem Baby beispielsweise eine vermehrte Ausschüttung des „Stillhormons“ Prolaktin, welches die Milchbildung anregt. Aber auch Väter und andere Verwandte profitieren vom Tragen, so stellt das Tragen im Tuch oder einer geeigneten Tragehilfe doch eine der schönsten Möglichkeiten dar, dem Kind auch ganz nahe zu sein und eine enge Bindung aufzubauen.

Das Tragen in der Anhock-Spreiz-Haltung kommt auch der körperlichen Entwicklung eines Säuglings entgegen. Sowohl für die Hüftentwicklung, als auch zur Schonung der empfindlichen und noch stark durchbluteten Bandscheiben eures Babys ist das aufrechte Tragen in der Anhock-Spreiz-Haltung ideal.

Darüber hinaus hat das Tragen auch den Vorteil, dass das Baby auf Augenhöhe durchs Leben getragen wird. Es kann am alltäglichen Leben teilhaben und hat gleichzeitig jeder Zeit die Möglichkeit, sich bei der tragenden Person rückzuversichern, wenn die Sinneseindrücke zu viel werden. Durch die steten Bewegungen der tragenden Person wird auch das Kind aktiviert und sein Gleichgewichtssinn gefördert.

Bei einer individuellen Trageberatung erzählen wir euch gern mehr über die vielen Gründe, euer Baby zu tragen …

Für weitere Informationen zum Thema und Quellenangaben empfehlen wir u.A. die Bücher „Kinder verstehen“ von Herbert Renz-Polster oder „In Liebe wachsen“ von Dr. Carlo Gonzales.